Über Uns

 

Der Gem.-Chor Suppingen besteht heute aus rund 20 Frauen- und 10 Männerstimmen. Der Chor ist ein reiner Laienchor und wiederspiegelt heute noch in seiner Zusammenstellung die soziale Struktur des fast 1000 Seelen-Dorfes Suppingen: Beamte, Arbeiter, Angestellte, Rentner, Hausfrauen und selbst noch einige Landwirte, treffen sich zu den wöchentlichen Proben. Der Chor versteht sich in erster Linie als Gemeindechor und erfüllt die damit aufgegebenen Verpflichtungen; er singt bei Dorffesten, an Altennachmittagen, gestaltet Gottesdienste und Beerdingungen. Entsprechend breit gefächert ist das Repertoire; es reicht vom Madrigal über den Volksliedtanz des 19.Jahrhunderts bis zur geistlichen und weltlichen Chormusik zeitgenössicher und neuzeitlicher Komponisten.
Regionale Bekanntheit erlangte der Gemischte Chor vor allem durch die Suppinger Schnitzfolgen.

 

Was ist eine Schnitzfolge?


Die Suppinger „Schnitz“ und „Anbinder“ geben dem Suppinger Liederbuch seine besondere Prägung. Es sind Schelmenliedchen, die  in freier Folge je nach Anlass, Geschmack und Einfall aneinandergereiht an Lieder angehängt werden. Diese Schnitzfolgen wurden nie endgültig festgelegt, sondern werden dem sich wandelnden Ausdrucksbedürfnis zwanglos angeglichen, erweitert, verändert und zurechtgesungen. Sie wurzeln im Leben des Albdorfes Suppingen und sind, darauf bezogen, Bericht, Kommentar und Klosse in einem zu sein. Ein knapper Bestand von Melodienkernen entfaltet im Zusammenspiel mit dem Dialekt  eine erstaunliche Vielfalt. So merkt man oft erst durch genaues Hinhören, daß etliche Schnitz, so verschieden sie doch vom Text her sind, die gleichen  Melodien haben. Dadurch ergibt sich, daß die Schnitz den Hintersinn und die Widersprüchlichkeit oder die Neigung, Gegensätze zu verbinden, die man dem Schwäbischen gerne nachsagt, durch die Musik verstärkt zur Geltung bringt. Sinnfällig ist dies, wenn Handfeste Erotik u. Zärtlichkeit zusammenkommen oder wo Erfahrung in Spott um-
gemünzt wird. Der Spott gilt nicht nur den Mädchen sondern auch der eigenen Erfahrung und wirkt durch den Gesang noch ausgelassener,
bleibt aber gleichzeitig durch die milde Ordnung u. Distanzierung, zu der die Musik verhilft, erträglich und versöhnlich. Auf der anderen Seite sind auch im zärtlichen Seufzer, im gefühlvollen Liebesliedchen, die eher widerborstigen Züge der Alb u. ihrer Bewohner nicht ganz verschwunden. Die Texte wirken daher volkstümlich, ohne falschen Zungenschlag. Zu den schwäbischen Texten gehört auch das schwäbische Diminutiv, die sogenannte Verkleinerungsform, gebildet durch die Nachsilbe „le“, z.B. „Schnaile“, „ Stiagale“, „ Lädale“ oder „Mädele“. Der schwäbische Diminutiv bewirkt keine Verniedlichung,
eher kommt ein zärtliches Augenzwinkern darin zum Ausdruck.
Wo Gefühle im Spiel sind oder gar davon gesprochen werden soll, wird dem verschlossenen Älbler leicht unbehaglich. Darum greift er zur Verkleinerung und kann nun damit umgehen. Diese liebenswerte
Verse und Liedchen strahlen aber auch jene Gelassenheit und Heiterkeit aus. Die man in Suppingen, dem rauen Klima der Alb u. zahlreichen Wechselfällen der Geschichte wohl im Laufe der Zeit entgegenzusetzen gelernt hat. Die Schnitzfolgen werden je nach geeigneten Abschnitten, von zwei- bis vierstimmigem Gesang vorgetragen, wobei sorgfältig darauf geachtet wird, daß die Eigenart u. das Textverständnis nicht beeinträchtigt werden.  

 

Das Suppinger Liederbuch, wie ist es entstanden?


Im Jahre 1937 wollte der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart in einem heimatlichen  Hörspiel, einen Spinnstubenabend lebendig werden lassen. Der Dichter u. Älblersohn Hans Reyhing schrieb das Spielbuch. Er traf in Atmosphäre und Dialog genau das Richtige. Die Frage war nun, ob Lieder von Musikverlagen gestellt u. von Berufssängern vorgetragen werden, oder ob geeignete Singgruppen von der Alb zu finden sind.
Hans Reyhing erinnerte sich an einen Heimatabend  in Suppingen, an dem sehr originelle Lieder gesungen wurden. Eine Abordnung des Süddeutschen Rundfunks kam an einem Samstagabend im Februar 1937  nach Suppingen in eine Wirtsstube und wollte sich die Lieder der Suppinger anhören. Allerdings kamen die Jugendlichen wie auch die Erwachsenen nicht über die damals üblichen Gesangvereins-u. Heimatlieder hinaus. Als der Kreis immer kleiner wurde, blieben in der letzten Stunde vor Mitternacht nur noch drei bis vier Bäuerinnen, alle wohl schon über 60 Jahre übrig, die nun plötzlich auftauten u. Lieder aus ihrer Jugend sangen. Es waren ernste u. sehnsuchtsvolle, aber meist heitere, zu denen sie „echt schwäbische Schnitz „ sagten.Die Rundfunkleute stellten fest, daß ein Großteil dieser Lieder nicht in den Volksliedsammlungen zu finden war. Johnas Köpf, Lehrer und Chorleiter in Suppingen und Leberecht von Guaida schrieben die Weisen in Noten. Hans Reyhing u. Wilhelm Kutter legten die Texte schriftlich fest. Der Schwäbische Albverein stellte 1953 ein Liederbuch mit den geläufigsten Suppinger Liedern u. Schnitz zusammen Den damaligen Spinnstubenabend bestritten  dann junge Suppinger Sänngerinnen u. Sänger, mit denen Johnas Köpf die überlieferten Weisen u. Lieder einstudiert hatte. So ist es Johnas Köpf zu verdanken. Daß der Gem.-Chor Suppingen dieses auf der Alb wohl noch einzigartige Liedgut zur Verfügung hat u. dies der Öffentlichkeit vorträgt, es pflegt und sich verpflichtet fühlt, die Tradition der „Echt Suppinger Schnitz „ der Nachwelt weiterzuvermitteln. Bei seinen Auftritten trägt der Chor meist die Älbler Festtagstracht, die früher auf der Alb auch „Häs“ genannt wurde, diese Tracht ist allerdings bei uns nicht ganz vollständig, es fehlen das sogenannte Büble und die Bändelhaube.

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